Dezember 2019 – Studie zu von englischsprachigen Praxisleitlinien

Rupturen des vorderen Kreuzbandes sind nicht nur bei Sportlern eine häufige Verletzung. In den meisten Fällen wird eine operative Rekonstruktion des Bandes mit der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten durchgeführt. Studien zeigen allerdings, dass lediglich rund zwei Drittel der Patienten nach der Operation zu ihrem vorherigen Aktivitätslevel zurückkehren können.

Ein essentieller Faktor für den Erfolg einer Kreuzbandersatzplastik ist die Rehabilitation. Hier gibt es eine Vielzahl verschiedener Richtlinien und Empfehlungen, die vorgeben wie und wann allmähliche Belastungssteigerungen durchgeführt werden sollten. Ein Team von portugiesischen und niederländischen Wissenschaftlern hat nun eine Übersichtsstudie veröffentlicht, in der sie die Qualität und Inhalte von sechs verschiedenen Leitlinien auswerten und untereinander vergleichen.

Darunter waren drei Leitlinien aus den USA:
• American Academy of Orthopaedic Surgeons,
• American Physical Therapy Association (APTA),
• Multicenter Orthopaedic Outcomes Network (MOON),

zwei aus den Niederlanden:
• Dutch Orthopaedic Association,
• Royal Dutch Society for Physical Therapy (KGNF)

und eine aus Neuseeland:
• New Zealand Guidelines Group

Die Qualität der untersuchten Leitlinien wurde von den Autoren mithilfe eines speziellen Bewertungsinstruments überwiegend als gut eingeschätzt. Inhaltlich kamen sie zu folgenden Ergebnissen:

1) Mobilisation des Kniegelenks unmittelbar nach der Operation und neuromuskuläres (Kraft-) Training sollten zur Anwendung kommen.
2) Frühe Vollbelastung des Gelenks, Bewegungsübungen in der offenen und geschlossenen Muskelkette, Kälteanwendungen und Elektrotherapie können angepasst an den individuellen Trainingszustand zur Anwendung kommen.
3) Kontinuierliche passive Bewegung (CPM-Schiene) und Kniegelenksorthesen sollten nicht zur Anwendung kommen.

Verbesserungspotential der Leitlinien bestehe laut den Autoren vor allem bei der Übertragbarkeit der Behandlungsempfehlungen in die Praxis. Potentielle Förderfaktoren (z.B. Strategien zur Patientenaufklärung) oder Barrieren (z.B. Compliance, finanzielle und strukturelle Voraussetzungen) wurden kaum berücksichtigt.
Für die Verwendung im praktischen Alltag empfehlen die Autoren insbesondere die Leitlinien der beiden physiotherapeutischen Organisationen (APTA und KGNF) sowie die des MOON.

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