Juli 2017 – Sprunggelenksorthesen: Schutz oder Schaden?

Wieviel Hilfsmitteleinsatz ist für die Rehabilitation des OSG bei Sportlern sinnvoll?
„So viel wie nötig, so wenig wie möglich“, ist eine gern gemachte Aussage von Therapeuten, bei der Frage nach der Orthesenversorgung einer Distorsion des oberen Sprunggelenkes. Klare Antworten sehen anders aus. Der Sportmediziner Dr.med. Christoph Lukas hat sich mit dem Thema „OSG-Behandlung“ intensiv befasst und in der „Sportärztezeitung“ seine Ergebnisse präsentiert.

Oft haben Sportler Angst, dass eine Orthese den Muskel schwächt, gleichzeitig ist das erneute Verletzungsrisiko sehr hoch. Bis zu 80 Prozent der Patienten erleiden innerhalb eines Jahres ein erneutes Sprunggelenkstrauma. Das zeigt, wie wichtig die Prävention und Rehabilitation auch bei scheinbar leichten Verletzungen ist. Einigkeit herrscht in der Behandlung am Unfallort. Mit dem PECH-Schema hält der Helfende vor allem die Schwellung so gering wie möglich. Die frühfunktionelle Behandlung wird schon lange der operativen vorgezogen.

In der Frühphase (0-3 Tage) hat sich die Lymphdrainage bewährt. Dann sollten in den nächsten vier Wochen die volle Mobilität des Gelenkes und ein normales Gangbild wiederhegestellt werden. Entscheidend in dieser Phase ist ein propriozeptives Training. Um hier ein Rezidiv zu vermeiden, empfiehlt Lukas die Einbindung einer Orthese. Das Ziel der letzten Phase (4-12 Wochen), ist die volle Sportfähigkeit zu erreichen.

Die Hauptfragestellung bei Lukas in dieser letzten Phase war, wie sich die Verletzungshäufigkeit bei Risikosportarten am besten reduzieren lässt. Dabei nahm er vor allem Propriozeptives Training, Tape und Orthesen unter die Lupe. Es zeigte sich, dass Propriozeptives Training besonders effektiv in der sekundären und tertiären Prävention war, also dann, wenn bereits eine Verletzung stattgefunden hatte. Die Reduktion des Verletzungsrisikos lag je nach Studie zwischen 36 und 50 Prozent.

Tapeverbände können das Rezidivrisiko um 50 Prozent reduzieren, haben aber Nachteile. Sie müssten während eines Spiels idealerweise mehrmals erneuert werden. Oft kommt es zu Druckstellen und Allergien. Die Tapebehandlung kostet dabei insgesamt dreimal so viel wie eine Orthesenversorgung.

Lukas Recherche ergab, dass Orthesen für die Prävention im ersten Jahr nach Verletzung effektiver sind als Tape oder ein alleiniges Propriopzeptives Training. Mit diesem Unterstützungstool kann das erneute Verletzungsrisiko um 50 Prozent gesenkt werden. Kommt es dennoch zu einer Verletzung, ist ihr Ausmaß geringer.

Zu der befürchteten Funktionseinschränkung durch die Orthese kann bisher keine eindeutige Aussage getroffen werden. Die Untersuchungen waren hier widersprüchlich. Bezüglich der Beweglichkeit gab es keine signifikanten Einschränkungen. Eines aber war deutlich: Der hohe Basketballschuh ersetzt keine Orthese, lediglich die Neuwertigkeit des Schuhwerks hat einen gewissen präventiven Nutzen.

Fazit:
1) OSG-Orthesen sind besonders in der Tertiär- und Sekundärprävention sinnvoll.
2) OSG-Orthesen sollten beim Sport bis 12 Monate nach Verletzung getragen werden.
3) Leistungseinbußen scheinen sich in einem vertretbaren Ausmaß zu bewegen.
4) Sensomotorisches Training ist effektiv, auch in Eigenregie.
5) Optimal ist die Kombination von sensomotorischem Training und Orthese.

 

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