Juni 2017 – Telemedizin bei chronischen Knieschmerzen

Eine australische Studie verspricht Erfolg in der Anwendung von Internet-basierter Therapie bei chronischen Knieschmerzen

Eine australische Forschergruppe um Dr. Kim L. Bennell von der Universität Melbourne erforschte den Einsatz eines telemedizinischen Versorgungsmodells in der Behandlung chronischer Knieschmerzen. Im Ergebnis zeigten die Patienten weniger Schmerzen und bessere Funktionen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe.

An der randomisierten kontrollierten Studie nahmen 148 Teilnehmer mit Knieschmerzen im Alter von 50 Jahren und aufwärts teil. Die Wissenschaftler teilten die Probanden in zwei Gruppen. Beide Gruppen erhielten Online-Lehrmaterial zu folgenden Themen: Übungen und körperliche Aktivität, Schmerzbewältigung, Emotionen, gesunde Ernährung, Komplementär-Therapien und Medikation.

In der Interventionsgruppe ergänzte ein Internet-basiertes interaktives Trainingsprogramm zur Schmerzbewältigung sowie Skype-Sitzungen mit Physiotherapeuten das Behandlungskonzept. Das Training umfasste acht Module á 35 bis 45 Minuten einmal pro Woche. Das Programm förderte die Entspannung, den Wechsel von Aktivitäts- und Ruhephasen, das Zulassen von Freude und die Entwicklung von Problemlösungen. E-Mails erinnerten die Patienten an die Durchführung.

In sieben Skype-Sitzungen im Verlauf von zwölf Wochen erteilten Physiotherapeuten den Patienten eine Anleitung für Dehnungen der unteren Extremität, sie unterstützten das Training mit Videodemonstrationen. Die Patienten erhielten Widerstandsbänder, Gewichtsmanschetten für die Fußgelenke und Schrittzähler. Die Durchführung der Übungen erfolgte dreimal pro Woche.

In der Auswertung der Studie maßen die Wissenschaftler die Schmerzhaftigkeit an einer elf Punkteskala und die Funktionalität an einem speziellen Osteoarthritis-Index. Nach drei Monaten betrug der mittlere Unterschied zwischen den Gruppen auf der Schmerzskala 1,6 Einheiten und nach neun Monaten immer noch 1,1 Einheiten. In der Funktion belief sich der mittlere Unterschied sogar auf 9,3 beziehungsweise 7,0 Einheiten. Auch der isolierte Knieschmerz, die Lebensqualität, die Selbstwirksamkeit und die Schmerzbewältigung verbesserten sich erheblich.

Dennoch ist die Studie nicht unumstritten. Dr. Lisa A. Mandl vom Hospital of Special Surgery der Weill Cornell Medicine in New York sieht in dem Online-Lehrmaterial ein ungeeignetes Placebo, zum anderen kritisiert sie die Auswahl der Probanden. Die Patienten klagten zwar über Knieschmerzen, eine nachgewiesene Osteoarthritis lag jedoch nicht vor. Trotz dieser Kritik hält auch Lisa Mandl Internet-basierte Versorgung prinzipiell für richtig.

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